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Interview with SETI Pioneer

 

Wir dürfen noch gar keinen Erfolg haben! Ein Interview mit Frank Drake, dem Pionier der Suche nach außerirdischen Intelligenzen

Herr Professor Drake, zu Beginn des SETI-Projektes sagten Sie: "Bis zum Ende des Jahrtausends werden wir außerirdisches Leben gefunden haben." Nun, in ein paar Monaten, ist es soweit.

Es ging sehr viel langsamer, als wir es uns erhofft haben. Wir hatten einfach nicht den Zugang zu den Radioteleskopen. Trotzdem kommen wir gut voran. Was soll ich sagen? Es gelang uns nicht, das angestrebte Ziel zu erreichen - aber wir sind auch nicht entmutigt, wir denken noch immer, dass wir bald Entdeckungen machen werden.

Was haben Sie in der Zwischenzeit getan?

Im Rahmen unseres Projektes Phoenix haben wir viele Signale gefunden. Wir haben sehr wirkungsvolle Methoden entwickelt, die Herkunft dieser Signale zu identifizieren - und jedenfalls senden wir selbst diese Signale aus. Also: wir haben keine für uns offensichtlich außerirdischen Signale gefunden. In der Tat verfügen wir über keine unerklärlichen Signale.

Das Projekt Seti@home hat eine große Veränderung bewirkt. Früher waren Sie nicht in der Lage, all die Daten auszuwerten, die Sie täglich empfangen haben, da die Rechner nicht leistungsstark genug waren. Mit Seti@home können nun täglich mehr Daten ausgewertet werden, als Sie empfangen.

Seti@home ist uns eine große Hilfe. Und zwar in zweifacher Hinsicht: zum einen hat es der Öffentlichkeit klar gemacht, was SETI überhaupt ist und wie wir überhaupt nach außerirdischem Leben suchen - eben mit Radioteleskopen. Das Bewusstsein in der Bevölkerung dafür, dass die Erde nur ein Planet von vielen ist, auf dem Leben möglich ist, ist überall auf der Welt gestiegen.
Zum anderen erweist sich Seti@home als nützlich bei dieser immensen Datenauswertung, die Sie angesprochen haben. Unsere SETI-Systeme bearbeiten mehr als 100 Millionen Frequenz-Kanäle auf einmal. Um diese Datenflut zu analysieren benötigt man eine Rechnerkapazität, wie wir sie uns gar nicht leisten können. Wir können uns nicht 'mal eben 8000 Computer kaufen. Um dieses Problem zu lösen, haben wir uns an die Bevölkerung gewandt, die uns nun mit ihren Rechnern bei sich zu Hause hilft. Und das ist natürlich eine unglaublich große Unterstützung. Inzwischen helfen uns schon über 800 000 Computer.

Aus welchen Ländern erhalten Sie die meisten Angebote?

Aus Amerika. Aber das ist nicht überraschend, da wir in diesem Land weitaus mehr Computer haben, als dies in irgendeinem anderen Land der Fall ist.

Welche neuen Projekte planen Sie derzeit?

Derzeit arbeiten wir an der Konstruktion eines sehr großen Teleskops, dessen Zeit-Kapazität zu 100 Prozent für SETI genutzt werden soll. Wir nennen es das One Hectar Telescope, da es über eine Sammelfläche von einem Hektar verfügt. Wir denken, dass es ein Prototyp, ein Vorreiter für noch größere Teleskope sein wird, die in der Zukunft gebaut werden.

Die nach Ihnen benannte "Drake-Gleichung" beinhaltet keinen Faktor für den zeitlich-geschichtlichen Entwicklungstand unterschiedlicher Kulturen. Müsste so etwas nicht auch berücksichtigt werden?

Es gibt viele Vorschläge, welche weiteren Bedingungen in die Gleichung aufgenommen werden sollten: zum Beispiel die Politik. Und natürlich ist der kulturelle Entwicklungsstand ein wichtiger Punkt. Wenn Zivilisationen sich technologisch entwickeln, ist immer die Frage, was dabei herauskommt. Vielleicht machen sie sich unsichtbar. Wir wissen die Antwort nicht - und wir können sie auch gar nicht wissen, solange wir keine andere Zivilisationen gefunden haben.
Aber auf jeden Fall enthält die Gleichung einen Faktor, den L-Faktor, der die Langlebigkeit einer Zivilisation einbringt. Ich muss hier betonen, dass das nicht die Langlebigkeit einer Zivilisation an sich ist, sondern vielmehr die Zeitspanne, in der eine Zivilisation für uns auffindbar ist. Das kann durchaus bedeuteten, dass sich eine Kultur im Laufe der Zeit so entwickelt, dass sie nicht mehr aufspürbar ist. Diese Langlebigkeit könnte also begrenzt sein, obwohl die Zivilisationen selbst noch vorhanden sein könnten. Sie wären noch da - nur eben nicht so, wie wir es uns vorstellen. Unsere Phantasie ist auf das begrenzt, was wir kennen.

Was halten Sie für sinnvoller: die Suche nach Radiosignalen, oder die Suche nach optischen Signalen von außerirdischen Intelligenzen?

In den letzten Jahren haben wir eingesehen, dass es sinnvoll ist, nach optischen Signalen Ausschau zu halten. Trotzdem gilt noch immer, dass die Radioastronomie am erfolgversprechendsten für unsere Zwecke ist. Denn im Bereich der Radiostrahlung ist das Universum am dunkelsten und am ruhigsten. Im Radiobereich erfordert es weitaus weniger Energie, ein Kommunikationszeichen auszusenden. Nach Radiosignalen Ausschau zu halten, verspricht daher auch den meisten Erfolg.
Es ist jedoch nicht der einzige Weg, da wir nicht wissen, wie andere Zivilisationen vorgehen, was sie als wichtig erachten, welche Technik sie benutzen. Wir wissen, dass es möglich ist, optische Signale zu senden. Wir haben einen optischen Sender konstruiert, der Signale über interstellare Distanzen hinweg senden könnte: also ist so etwas möglich, und wir sollten danach suchen, da wir die psychologischen Motivationen von Außerirdischen nicht vorhersagen können.
Es gibt ein technisches Argument dafür, warum der Radiobereich allem anderen vorzuziehen ist: Ein Lichtstrahl ist sehr, sehr schmal. Er ist in der Tat so schmal, dass er kleiner ist, als ein entferntes Planetensystem, auf das er trifft. Das heißt, dass der Lichtstrahl den Planeten möglicherweise nicht trifft, sondern an ihm vorbeirauscht. Das lässt optische Signale zu einem großen Problem werden, vorausgesetzt, man will damit interstellare Kommunikation betreiben. Mit den Radiosignalen verhält sich die Sache anders, da die Radiostrahlen eine größere Fläche überstreichen. Man muss den Strahl noch nicht einmal völlig exakt ausrichten - man trifft den Planeten auf jeden Fall.

Sie wollten die Hälfte aller Sonnen unserer Milchstrasse untersuchen und Sie haben nun die Hälfte davon geschafft. Gleichzeitig hat unsere Sonne die Hälfte ihrer Lebenszeit erreicht. Ist nun gewissermaßen Halbzeit, Professor Drake?

Ich denke, das ist unwichtig. Wir haben noch viele Milliarden Jahre vor uns, in denen die Sonne genauso auf uns scheint, wie sie es jetzt tut. Die Sonne bläht sich auf - aber sie tut das ziemlich langsam, gemessen an unserem Zeitempfinden. Sie braucht Millionen von Jahren dazu und bis dahin werden wir unsere Raumfahrt so entwickelt haben, dass wir aus dem Sonnensystem flüchten und an einem Platz leben können, an dem es für uns klimatisch möglich ist. Also hat die Halbzeit der Lebensdauer unserer Sonne keinen Einfluss auf unsere Suche, unsere Ziele, unsere zukünftigen Projekte, zumindest nicht in den nächsten fünf Millionen Jahren.

Was erwarten Sie vom nächsten Jahrtausend?

Oh, es wird ein wunderbares Jahrtausend sein! Denken Sie nur an den Anfang unseres Jahrtausends: damals hätten Sie nicht ein einziges von den Dingen erwartet, die es heute gibt. Sie hätten sich unmöglich Flugzeuge vorstellen können, in denen Sie heute ziemlich preiswert von Europa nach Amerika fliegen, während Sie sich gemütlich zurücklehnen und Filme anschauen. Sie hätten nicht so etwas wie "Fernsehen" erwartet, oder gar so etwas, wie digitale Computer! Unsere Fähigkeiten, uns das nächste Jahrtausend vorzustellen, sind also ziemlich schlecht. Schon das nächste Jahrhundert wird für uns ein Feuerwerk an Überraschungen sein.

Und was erwarten Sie im Hinblick auf SETI?

Als Langzeitziel, - und das ist unser Ziel für das nächste Jahrtausend, wenn Computer lächerlich preiswert sein werden - , wollen wir Teleskope bauen, die auf allen Frequenzen, in sämtliche Richtungen gleichzeitig beobachten. Das ist genau das, was man benötigt, um jedes mögliche SETI-Signal aufzupüren, inklusive solcher, die nur ganz kurz präsent sind. Und dies könnte tatsächlich momentan noch der Fall sein - was eine Erklärung dafür wäre, dass unsere derzeitige Suche noch erfolglos bleibt.

Wann, glauben Sie, wären diese Voraussetzungen erfüllt?

In fünfzig Jahren. Das einzige Problem heutzutage ist, solche Computer kostengünstig herzustellen. Wir wissen, wie man solch ein Teleskop baut, aber die derzeitigen Kosten übersteigen bei weitem das, was wir uns finanziell leisten können.

Sie finanzieren sich noch immer privatwirtschaftlich?

Ja. Wir hoffen, dass uns die US-Regierung bald Unterstützung anbietet, aber wir kalkulieren das nicht ein.

Sind Sie eigentlich zufrieden mit Ihrer Arbeit? Oder gehen Sie manchmal ein bisschen enttäuscht nach Hause?

Nein, wir sind nicht entmutigt. Wir sind zufrieden. Unsere Suche ist heute 100 hoch eine Million mal leistungsstärker als noch vor 40 Jahren. Und das verdoppelt sich in jedem Jahr, also haben wir einen enormen Fortschritt errungen. Und zwar nicht nur bezüglich der Methoden, sondern auch bezüglich der Qualität unserer Arbeit, der Sensibilität mit der wir Signale empfangen können und der vielfältigen Formen von Erkennungsmethoden. Damit sind wir ausgesprochen glücklich.
Wir sind uns auch bewusst, dass wir unsere Suche gerade erst begonnen haben. Wir haben noch lange nicht genügend Sterne erforscht und genügend Radiofrequenzen abgetastet. Wenn wir uns die Drake-Gleichung anschauen, dann dürfen wir noch gar keinen Erfolg haben! Und da wir auch keinen Erfolg haben, ist also alles am richtigen Platz und wir sind zufrieden.

Das Interview führte Christine Brügge.

Quelle: www.morgenwelt.de/wissenschaft/991206-drake.htm